Die Diskussion um Tagesschau-App und Co zwischen Verlegern und Intendanten wird ja nun durch alle Medien rauf und runter geritten. Dazu hier zu schreiben und die Positionen gegeneinander abzuwägen ist fast schon mehr als müßig, dass können andere die mehr Zeit zum recherchieren haben besser. Zum Beispiel aus aktuellem Anlass das Medienmagazin Zapp:
"ARD + ZDF und Verleger: Online-Frieden?
Es war die Stunde der Online-Journalisten. Die Kür des neuen Bundespräsidentenkandidaten ging derartig überraschend schnell - da konnte die gedruckte Presse nicht mitkommen. Aber im Internet war alles zu Joachim Gauck sofort abrufbar: Portraits, Hintergründe, Bilder. Der Markt der Zukunft eben. Und deswegen gibt es darum Streit. Seit Jahren rangeln die Verleger mit den öffentlich-rechtlichen Sendern darum, wer die Macht hat im Internet. Wer was wie veröffentlichen darf. Eine absurder Kampf, der nur zum Nachteil der Leser und Online-Journalisten ausgehen kann."
Das durchaus sehenswerte Video gibt es hier: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/online251.html
Womit eins auffällt: Ich versuche normalerweise immer das Video direkt einzubinden (natürlich unter Quellen- und Linkangabe). Bei dem öffentlich-rechtlichen Angebot geht dies nicht. Bei den meisten privaten Anbietern, die immerhin werbefinanziert sind und daher noch mehr darauf angewiesen sind dass alles innerhalb ihres Portals stattfindet, geht dies meistens.
Eine Kleinigkeit die aber zeigt, was ich mir bereits beim anschauen dieses Berichtes gedacht habe: Hier diskutieren Verleger und Intendanten vollkommen (online-)weltfremd um Ihre bisherigen Erlösmodell künstlich zu sichern. Das Interesse des Lesers und tatsächlichen Bedürfnisse/Chancen des Marktes spielen null eine Rolle. Gerade in den neuen Medien setzt sich Qualität, Kreativität und Usability durch - es gibt kaum eine gnadenlosere Kundschaft als die Netzgemeinde. Wieso glaubt niemand an sein Produkt, an sein Können und stellt sich hin und sagt: Ja, wir sind so gut, wir setzen uns durch? Bei dem versammelten Medien-KnowHow sowohl bei den öffentlich-rechtlichen (ich erinnere nur an die hervorragende ZDF-Mediathek!) und auch in den Medienhäusern dieser Republik mit dem ungeheurem Wissen und Datenschaft sowohl über Leser als auch Anzeigenkunden ist es immer noch Normalzustand dass junge StartUps, Blogs und Medienexperiemte regelmäßig sich mit Herzblut nach oben kämpfen, erfolgreich am Markt sind und dann teuer von den Medienhäusern aufgekauft werden?
Die heute so erfolgreichen Medienhäuser sind fast immer gegründet worden nach dem zweiten Weltkrieg von Pionieren mit Mut (oft auch Glück). Wo ist dieser Aufbruchsgeist? Liebe WAZ-Erben die ihr eh nur noch über den Anwalt miteinander redet: Eure Vorfahren - und damit sind nicht die von vor 300 Jahren gemeint - sind noch Risikos eingegangen, mussten darum bangen ob genug Papier für den Druck da ist, wussten nicht ob das Experiment gut geht. Wo ist der Mut, wo die Aufbruchsstimmung? Wir sind mitten im Beginn eines neuen Informationszeitalters, eure Zeitungen schreiben darüber dass das Internet Diktatoren stürzt. Was macht ihr daraus, wo seid ihr? Wir Medienmenschen sollten jubeln und die Arme hoch krempeln: Noch nie zuvor haben Medien und Informationen die Menschen so bewegt, waren so sehr in den Alltag der Menschen integriert wie heute und wir sind erst am Anfang... Und wir diskutieren darüber, wie wir die alten, bestehenden Modelle möglichst lange erhalten können...
P.S. Ihr verdient heute Geld, weil eure Vorfahren an das Neue geglaubt und daran gearbeitet haben. Was werden eure Nachfahren für Geld verdienen?
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen